MORE Depot Charging
Shownotes
🎙️ Folge 3: MORE Depot Charging Host: Christos Tsegkis, Regional Manager EV Charging bei Sungrow Europe Heute zu Gast: Joscha Specks (CEO Depotcharge) Im Mittelpunkt steht eine zentrale Frage: 👉 Wie wird aus ungenutzter Ladeinfrastruktur im Depot ein tragfähiges Geschäftsmodell für E-Lkw? Wir sprechen u. a. über:
- Warum Ladepunkte im Depot den größten Teil des Tages stillstehen und welche Kapazität dort brachliegt
- Wie die gemeinsame Nutzung durch mehrere Flotten daraus ein skalierbares Geschäftsmodell macht
- Den Netzanschluss als zentralen Engpass und wie sich vorhandene Anschlussleistung besser ausnutzen lässt -Reservierung und dynamische Preisgestaltung als Grundlage für planbare Auslastung
- Welche technologischen Entwicklungen das Depotladen in den nächsten Jahren prägen
- Und warum sich der Einstieg jetzt rechnet statt in ein paar Jahren
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00:00:03: Willkommen bei MORE than powering today, dem Premium-B2B-Podcast von Sungrow, in dem führende Expertinnen und Experten über wegweisende Projekte der erneuerbaren Energien sprechen.
00:00:32: Wie lässt sich die Ladeinfrastruktur auslasten und wie wird daraus ein skalierbares Geschäftsmodell?
00:00:39: Heute bei mir ist Joscha.
00:00:41: Joscha hat vielfältige Erfahrung im Bereich Elektromobilität, er ist außerdem Gründer und CEO bei Depotcharge.
00:00:49: Willkommen, Joscha!
00:00:50: Ja, danke Christos, freut mich, heute hier zu sein.
00:00:52: Genau, Joscha Specks mein Name.
00:00:53: Ich bin einer der Gründer und Geschäftsführer von Depotcharge.
00:00:56: Mit Depotcharge bauen wir einen Marktplatz für das geteilte Laden von Elektro-Lkw am Depot auf.
00:01:01: Ich habe über zehn Jahre Erfahrung in der Elektromobilität im Pkw-Bereich und habe schon einmal einen Ladeservice aufgebaut, in einer Tochterfirma von BMW, Mercedes und BP.
00:01:09: Und mit diesem Wissen geht es jetzt an die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs.
00:01:12: Zuerst kommt immer wieder die Frage: Was funktioniert heute schon gut beim Truck Charging?
00:01:19: Oft kommt das Thema so: Liegt das Problem an der Hardware an sich oder an der Nutzung?
00:01:25: Ja, ich denke, es ist klar, dass die Hardware mittlerweile verfügbar ist.
00:01:29: Insbesondere die Ladehardware ist ja auch aus dem Pkw-Bereich erprobt, und wir haben Hardware mit hohen Leistungen, mittlerweile auch im Megawatt-Charging-Bereich, mit gekühlten Ladekabeln. Das funktioniert wirklich einwandfrei. Und auf der Fahrzeugseite hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan.
00:01:41: Mittlerweile haben wir mehrere Modelle mit Reichweiten von über fünfhundert Kilometern auf dem Markt.
00:01:46: Die Fahrzeuge sind auf der Straße, sie sind in fast allen Einsatzszenarien nutzbar.
00:01:51: Wo jetzt das nächste große Thema auftritt, ist die Nutzung.
00:01:55: Bei der Nutzung sehen wir ganz klar noch Optimierungsmöglichkeiten.
00:02:00: Genau da setzen wir an. Es ist im Endeffekt so, dass jeder, der Ladeinfrastruktur betreibt,
00:02:04: also auch viele Logistiker, die jetzt selbst anfangen, Ladeinfrastruktur aufzubauen, schnell feststellt, dass die Ladeinfrastruktur mit der eigenen Flotte gar nicht vollständig ausgelastet ist und dass es sehr viel freie Kapazität gibt, die man gemeinschaftlich nutzen kann.
00:02:17: Und genau darauf baut Depotcharge auf.
00:02:19: Es gibt wirklich ungenutzte Kapazitäten.
00:02:22: Und oft kommt die Frage: Was ist heute wirtschaftlich? Also das Thema Pricing, Zugang oder Auslastung der Ladeinfrastruktur?
00:02:34: Das Hauptthema ist auch hier die Auslastung.
00:02:38: Das ist eigentlich immer der KPI für jeden, der Ladeinfrastruktur betreibt.
00:02:42: Mit einer hohen Auslastung kann ich einen niedrigen Preis möglich machen. Und gerade beim öffentlichen Laden haben wir eine Situation mit ganz unterschiedlichen Preisen, wo auch unterschiedliche Ladekarten am Schluss zu verschiedenen Preisen führen können.
00:02:57: D as bedeutet: Wenn ich die falsche Ladekarte an eine Ladesäule halte, insbesondere wenn das eine Ladesäule ist, die für Pkw aufgebaut wurde und nicht spezifisch für Trucks, dann kann mich das schnell mal 79 Cent brutto kosten, also netto ungefähr 66 Cent, zum Vergleich im Depot.
00:03:14: 36 oder weniger. Das sind also rund dreißig Cent Kostenunterschied auf der Kilowattstunde.
00:03:20: Bei fünfhundert Kilowattstunden Batteriegröße sind das hundertfünfzig Euro, die mich so eine falsche Ladung kosten kann.
00:03:27: Das bedeutet: Wenn ich nicht die richtige Ladesäule mit dem richtigen Preis finde, kann mich das wirklich teuer zu stehen kommen und mir auch die Tour verhageln. Und hier sehen wir genau die Chance.
00:03:39: Das öffentliche Laden ist für Elektro-Lkw grundsätzlich möglich.
00:03:42: Es entsteht auch mehr und mehr Ladeinfrastruktur, allerdings ist das Angebot noch dünn, und wenn man auf Pkw-Ladeinfrastruktur ausweicht, kann es schnell sehr teuer werden.
00:03:51: Auf der anderen Seite haben wir viele Logistiker, die am eigenen Standort Ladeinfrastruktur aufgebaut haben und freie Kapazitäten haben. Denn die Infrastruktur wird meistens für den Fall angeschafft, dass die Fahrzeuge dort über Nacht laden oder im Zweischichtbetrieb um die Mittagszeit mit Peakleistung zurückkommen. Und dann steht die Infrastruktur von morgens bis abends ungenutzt auf dem Hof.
00:04:12: Und genau da besteht die Möglichkeit, diese ungenutzte Infrastruktur für Dritte zugänglich zu machen und daraus ein gemeinschaftlich genutztes Netzwerk aufzubauen, was dann gesamtwirtschaftlich für alle besser ist.
00:04:24: Was macht Depotcharge also im Vergleich zu anderen,
00:04:27: also zu klassischen Anbietern?
00:04:30: Wir sind mit Depotcharge ein Marktplatz, der auf bestehenden Systemen aufsetzt.
00:04:35: Vereinfacht kann man so darauf schauen:
00:04:37: Es gibt einmal die Anbieter und die Systeme, die den Standort planen, bauen, betreiben und optimieren, also ein klassisches Ladestationsbackendsystem (CMS) oder auch ein Energiemanagementsystem.
00:04:48: Wir sind ein Aggregationslayer, der diese verschiedenen Standorte miteinander verknüpft, und sind dahingehend mit den verschiedenen Systemen kompatibel.
00:04:56: Was wir über diese Aggregation ermöglichen, ist Zugang und Abrechnung durch Drittnutzer.
00:05:01: Und zwar so, dass ich als Standortbetreiber immer die volle Kontrolle über die Nutzung durch Dritte habe.
00:05:07: Ich kann also selbst entscheiden, für wen ich den Standort öffne und zu welchen Uhrzeiten, beispielsweise von Montag bis Freitag von acht bis achtzehn Uhr.
00:05:14: Ich kann auch unterschiedliche Preise je Nutzergruppe festlegen, beispielsweise einen Einstiegspreis von 39 Cent und für meine Subunternehmer oder strategischen Partner einen günstigeren Preis. Damit habe ich die volle Kontrolle.
00:05:26: Und wir wickeln dann den Zugang ab.
00:05:32: Das heißt, wir geben dem Drittnutzer Zugang zur Infrastruktur in den entsprechenden Öffnungszeiten, wir rechnen die geladenen Kilowattstunden ab und zahlen garantiert an den Depotbetreiber aus.
00:05:40: Also:
00:05:41: Warum sollen die Unternehmen heute investieren und nicht kurz warten, bis in zwei Jahren die Situation besser wird?
00:05:47: Was ich zum Thema Timing und Warten für das Wichtigste halte, und was ich auch aus Gesprächen mit mittlerweile wirklich vielen Kunden lerne: einfach anfangen und Erfahrung sammeln.
00:05:58: Ich glaube, die Transformation, die der Logistik jetzt bevorsteht, ist eine der weitreichendsten und grundlegendsten, die die Branche seit Langem gesehen hat, mit entsprechenden Chancen und Risiken.
00:06:07: Und jetzt geht es darum, erste Erfahrungen zu sammeln, nicht nur auf den Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur zu warten, sondern auch am eigenen Standort Infrastruktur aufzubauen, wenn das möglich ist.
00:06:18: Im Sinne der Investitionskosten und auch des Netzanschlusses.
00:06:21: Und wann, glaubst du, lohnt es sich, die Ladeinfrastruktur für Dritte freizuschalten?
00:06:28: Wenn du eine Zusammenfassung machst: Was soll ein Unternehmen heute tun, damit das Szenario in zwei, drei Jahren lukrativ wird?
00:06:38: Ich glaube, der Zeitpunkt für den Einstieg ist recht früh. Denn zumindest bei uns ist es so: Wir sind eine Systemerweiterung,
00:06:46: keine Systemumstellung.
00:06:47: Man kann sich bei uns registrieren und recht einfach einsteigen.
00:06:50: Wir haben keine Grundgebühren und keine Einrichtungsgebühren. Und wir sagen immer: Der Zeitpunkt ist dann, wenn man seine eigenen Betriebsabläufe kennt. Das heißt, wenn man die ersten Erfahrungen mit den eigenen Fahrzeugen gesammelt hat und weiß, wann man freie Kapazitäten hat. Dann würde ich sagen: einfach ausprobieren.
00:07:07: Kunden starten mit einer Ladesäule und schauen einfach, wie es läuft.
00:07:12: Und schalten dann flexibel weitere Ladesäulen hinzu.
00:07:14: Wir haben andere Kunden, die mittlerweile den ganzen Ladepark für Drittnutzung geöffnet haben.
00:07:18: Es geht, glaube ich, für viele in der aktuellen Phase noch darum, Erfahrung zu sammeln, zumal das Ganze ja auch noch stark gefördert wird.
00:07:26: Ich denke, wenn man wirklich am Anfang der Elektrifizierung steht, geht es vor allem darum, für sich zu analysieren: Welche Touren kann ich eigentlich elektrisch fahren?
00:07:34: Wo lohnt sich für mich schon der Einsatz von Elektro-Lkw?
00:07:36: Da spielt zum einen das Thema Stromkosten rein, das ich über das Teilen der Ladeinfrastruktur optimieren kann.
00:07:41: Die Mautbefreiung: Touren mit langer Strecke rechnen sich schnell. Und weitere Faktoren.
00:07:47: Und sobald ich dafür ein erstes Gefühl habe, sollte man wirklich in die Umsetzung gehen.
00:07:54: Es gibt Förderprogramme für die Ladeinfrastruktur, und die Mautbefreiung, die noch bis 2031 wirkt. Das sind alles begünstigende Faktoren, um anzufangen.
00:08:01: Und dann, das ist ein wichtiger Punkt, den wir natürlich auch nach vorne bringen und betonen möchten:
00:08:08: Man muss diese Transformation nicht alleine stemmen. Die Chance besteht darin, es gemeinschaftlich zu tun, sich über ein Netzwerk zusammenzuschließen und die Ladeinfrastruktur miteinander zu nutzen.
00:08:19: Ein schönes Beispiel dafür ist das, was wir in der Schweiz gesehen haben.
00:08:22: Wir sind in der Schweiz gemeinsam mit der ASTAG, dem Schweizer Nutzfahrzeugverband, im Markt aktiv und betreiben gemeinsam einen Ladeservice.
00:08:31: Die Historie dazu: Letztes Jahr hat sich in der Schweiz eine Gruppe von Pionieren der Elektromobilität zusammengetan und sich überlegt, wie man der Branche helfen kann, diese Transformation zu stemmen.
00:08:41: Und die Unternehmen, die die Möglichkeiten haben, im größeren Stil Ladeinfrastruktur aufzubauen, weil sie die Netzanschlüsse haben und die Investitionen tätigen können,
00:08:52: diese größeren Unternehmen können den kleineren helfen, bei dieser Transformation nicht hinten runterzufallen, sondern mitgenommen zu werden.
00:09:00: Und genau so ist bei der ASTAG als Verband diese Verbandslösung entstanden.
00:09:03: Von Mitgliedern für Mitglieder.
00:09:05: Das ist wirklich eine super Sache, es findet großen Anklang in der Branche und hat großen Zulauf. Wir glauben, dass genau dieser Gedanke des Gemeinschaftlichen ein wesentlicher Faktor in dieser Transformation sein kann. Deswegen sind wir mit vielen weiteren Verbänden in Deutschland, aber auch in Benelux und Österreich im Gespräch.
00:09:24: Ein wichtiger Aspekt ist auf jeden Fall die Technologie.
00:09:28: Weil wir zusammen auch ein gemeinsames Projekt im Bereich Heavy Duty Vehicle haben.
00:09:34: Was hältst du für am wichtigsten?
00:09:36: Ist es wirklich die Hardware beziehungsweise die Effizienz der Hardware, die Steuerung, oder beides? Wo liegen die Limitationen von Hardware und Steuerung?
00:09:49: Ich denke, das sind viele Aspekte.
00:09:51: Aber dass die Hardware verlässlich funktioniert, steht auf jeden Fall ganz vorne. Denn in der Logistik müssen Prozesse wirklich funktionieren, und zwar verlässlich.
00:10:01: Ich fahre selbst seit acht Jahren elektrisch und habe natürlich meine Erfahrungen gemacht.
00:10:07: Ich stand schon an verschiedensten Ladesäulen, wo die Ladekarte nicht funktionierte oder wo ich Ladeabbrüche hatte.
00:10:11: Als Privatperson hat man eine gewisse Fehlertoleranz, insbesondere als Early Adopter. Aber in der Logistik ist der Raum für Fehler gering.
00:10:19: Das heißt, das muss funktionieren, und die Hardware muss entsprechend verlässlich funktionieren.
00:10:23: Dann ist natürlich das Thema Leistung:
00:10:25: Wie viel Energie kann ich aus der Hardware herausziehen?
00:10:29: Das ist ganz entscheidend.
00:10:30: Gekühlte Kabel sind ein großes Thema.
00:10:33: Wir haben viele Kunden, die mit komplett leeren Batterien an den Standort kommen und dann innerhalb kürzester Zeit fünfhundert Kilowattstunden durch so eine Station ziehen.
00:10:40: Das heißt, das muss funktionieren, das ist wirklich das A und O.
00:10:45: Das Nächste ist, nach einem verlässlichen Betrieb der Ladeinfrastruktur, die Optimierung.
00:10:50: Die Optimierung im energiewirtschaftlichen Sinne, dass ich am Standort einen dynamischen Stromtarif nutze, meinen PV-Überschuss optimiere oder vielleicht eine Batterie einsetze. Und auf der anderen Seite die Optimierung durch die Vermarktung freier Kapazität an Dritte.
00:11:03: Das ist ein Hebel, der, wenn man es durchrechnet, mindestens genauso groß ist wie die Optimierung der eigenen Ladevorgänge.
00:11:10: Welche Bottlenecks gibt es heutzutage für die Ladeinfrastruktur?
00:11:13: Ist es der Netzanschluss, der Zugang zu öffentlichen Ladestationen? Und was ist deiner Meinung nach aktuell das bessere Modell:
00:11:22: Depot Charging oder öffentliches Laden?
00:11:26: Was Bottlenecks angeht, steht natürlich der Netzanschluss im Vordergrund. Und der ist auch zeitlich kritisch, denn den muss man sich frühzeitig sichern.
00:11:35: Die Vorlaufzeiten können teilweise mehrere Jahre dauern, bis man den Netzanschluss bewilligt bekommt.
00:11:41: Ich kann immer empfehlen, wenn es darum geht, in einigen Jahren ready zu sein, sich den Netzanschluss frühzeitig zu sichern.
00:11:48: Ein zweites Bottleneck, das wir sehen und das eigentlich überall diskutiert wird, ist Infrastruktur im Allgemeinen: ausreichend verfügbare Infrastruktur für Elektro-Lkw.
00:11:58: Im öffentlichen Bereich wird viel aufgebaut.
00:12:00: Das wird aber noch Jahre dauern, bis wirklich flächendeckend ein Netz für alle Routen verfügbar ist.
00:12:06: Und genau aus dem Grund glauben wir, dass das halböffentliche Laden, und zwar nicht nur mit der eigenen Flotte am Standort, sondern geteilt, eine sehr wichtige Ergänzung zum öffentlichen Laden ist.
00:12:16: Es ist kein Entweder-oder, sondern es sind zwei Modelle, die gesamtheitlich dazu führen, dass man wirklich alle Routen fahren kann.
00:12:25: Wichtig ist hier, vielleicht auch als Erfahrungsbericht: Wenn wir darüber sprechen, die eigene Ladeinfrastruktur am Standort für Dritte zu öffnen, dann kann man das auch so machen, dass man einen Standort wirklich öffentlich schaltet und über Roaming freigibt.
00:12:40: Das bedeutet aber, dass man keine Kontrolle mehr darüber hat, wer diesen Standort nutzt und zu welchen Preisen dort geladen wird.
00:12:46: Denn über die klassischen Roaming-Strecken kann am Schluss auch ein Pkw auf dem Hof stehen. Das kann ich nicht mehr kontrollieren. Und die Ladeinfrastruktur steht auf dem Betriebsgelände, oft auf einem Werksgelände hinter Werkstoren, mit Sicherheitsvorschriften, Haftungsthemen und Ähnlichem.
00:13:01: Aus genau dem Grund glauben wir, dass Roaming für das Teilen von Ladeinfrastruktur, so wie es Stand heute im Markt gebaut ist, nicht wirklich funktionieren wird.
00:13:10: Sondern dass es eine Lösung braucht, mit der man den Zugang wirklich gezielt auf ausgewählte Dritte einschränken kann.
00:13:16: Auch nur damit ist man fördermittelkonform, denn bei den Fördermitteln geht es auch darum, dass man die Nutzung durch Dritte auf einen bestimmten Personenkreis einschränken kann.
00:13:26: Und das ist ein entscheidender Punkt, in dem sich dieses Depot-Sharing im halböffentlichen Raum vom öffentlichen Laden unterscheidet.
00:13:34: Und dafür haben wir mit Depotcharge eine Lösung, über die es möglich wird, dieses halböffentliche Laden gemeinschaftlich zu organisieren: auf einer Plattform miteinander den Zugang vereinbaren, die Preise vereinbaren und das Ganze vollautomatisiert abrechnen.
00:13:49: Was ist die eine Entscheidung,
00:13:52: die ein Unternehmen oder eine Logistikfirma heute treffen muss, damit sich das Modell wirtschaftlich auszahlt?
00:14:01: Ganz entscheidend ist anzufangen. Das ist entscheidend, um Erfahrungen im operativen Betrieb zu sammeln und später in die Skalierung einzusteigen. Denn die Elektromobilität wird kommen, die Fahrzeuge werden in den Markt kommen, und es wird auch Wettbewerbsdruck durch CO2-neutralen Transport entstehen. Die Unternehmen, die jetzt vorangehen und einen gewissen Mut zeigen, am eigenen Standort aufzubauen, erarbeiten sich strategische Wettbewerbsvorteile, die in mehreren Jahren ganz entscheidend werden.
00:14:29: Aus dem Grund ist mein erstes Argument wirklich: Man sollte anfangen. Und das zweite: Man muss es nicht alleine tun. Man kann aus dem Laden im Endeffekt nicht nur ein Kostenthema, sondern ein Geschäftsmodell machen, wenn man sich beim Umstieg gemeinschaftlich organisiert und es zusammen angeht. Das kann über Verbände sein, das kann aber auch über Stückgutnetzwerke oder über Partnerschaften im Industriegebiet laufen.
00:14:56: Dann besteht die Möglichkeit, dieses Infrastruktur-Invest auf mehrere Schultern zu legen und das Ganze gesamtwirtschaftlich für alle attraktiver zu machen.
00:15:07: Das ist für uns ein ganz entscheidender
00:15:09: zweiter Faktor: jetzt frühzeitig in die Vernetzung zu gehen und sich gemeinsam zu überlegen, wie man die Transformation zusammen hinbekommt.
00:15:17: Und dann in zwei, drei Jahren, wenn die Fahrzeuge aufgrund der CO2-Vorgaben wirklich in größerem Stil in den Markt kommen, für den Umstieg gewappnet zu sein.
00:15:27: Bezüglich unseres gemeinsamen Projekts: Es geht hier um einen Sungrow IDC480 mit vier Satelliten.
00:15:38: Häufig kommt von Kunden oder sogar von Fahrern die Frage nach Reservierung.
00:15:45: Ab und zu sind die Ladepunkte auch belegt.
00:15:48: Und die Fahrer wollen ihren Ladepunkt im Voraus reservieren, damit sie sicher sind:
00:15:52: In einer halben Stunde ist die Batterie auf X Prozent, und dann fahren sie los.
00:15:57: Was ist deine Meinung dazu?
00:15:59: Und wie optimiert das den ganzen Prozess?
00:16:02: Ich glaube auch, dass Reservierung wichtig werden wird.
00:16:05: Denn wir werden an den Zeitpunkt kommen, wo die Auslastung so hoch ist, dass man Reservierungen braucht, weil man Priorisierungskonflikte hat.
00:16:12: Weil im Endeffekt mehr Fahrzeuge den Standort anfahren wollen, als dort Ladekapazität verfügbar ist.
00:16:17: Und zwar nicht nur im Sinne von Zeit, sondern auch im Sinne von Energiemenge.
00:16:21: Insbesondere beim öffentlichen Laden, beispielsweise an einem Milence-Truckpark, sehen wir das teilweise heute schon.
00:16:28: Wir haben aber bei vielen unserer Logistiker Stand heute den Fall, dass die Infrastruktur wirklich den ganzen Tag ungenutzt dasteht. Und wir haben jetzt beispielsweise einen Kunden,
00:16:38: der hat schon richtig viel Auslastung an seinem Standort. Der macht an einer Station im Monat mehr als zehntausend Euro Umsatz.
00:16:45: Das ist wirklich viel, was da durchläuft, und da ist immer noch ganz viel freie Kapazität.
00:16:50: Das heißt: Bis es wirklich zu diesem Priorisierungskonflikt kommt,
00:16:53: dauert es noch ein bisschen. Es wird aber wichtig werden, weil man seine Touren verlässlich planen muss.
00:16:59: Wir setzen eine Reservierungsfunktionalität gemeinsam mit Partnern um. Entscheidend ist zur Einordnung nochmal, dass wir ein Aggregationslayer sind.
00:17:07: Wir sind nicht das betreibende System am Standort, es gibt immer noch ein Backend-Management-System, oft auch ein Energiemanagement. Aber wir integrieren uns mit diesen Systemen und stellen dann Reservierungsanfragen an den Standort.
00:17:19: Ich war tatsächlich gerade gestern auf einem Workshop in der Schweiz mit ein paar der ganz großen Logistiker, die teilweise schon über hundert Elektro-Lkw im Fuhrpark haben. Da haben wir das auch heiß diskutiert.
00:17:29: Insbesondere, ob die Reservierung vollautomatisiert aus Systemen kommen soll oder ob der Fahrer das selbst macht, und ob es No-Show-Gebühren geben soll.
00:17:36: Ich glaube, man muss bei dem Thema einfach schauen: Das, was in der Theorie möglich ist, und das, was im Fahreralltag am Schluss in der Praxis umgesetzt wird und auf dem Hof passiert,
00:17:50: das darf nicht zu weit auseinanderliegen.
00:17:51: Es müssen einfache, ganz pragmatisch nutzbare Lösungen bleiben.
00:17:56: Wie du gesagt hast, gibt es auch ungenutzte Energie, und Einspeisung bringt heutzutage nicht mehr viel Geld.
00:18:05: Das heißt, Speicher ist auch ein großes Thema, vor allem in Kombination mit dynamischen Tarifen.
00:18:10: Würdest du es auch dem deutschen Mittelstand empfehlen, Speicher mit einzubauen,
00:18:17: damit die Energie gespeichert und nachträglich genutzt wird?
00:18:21: Auch für das Laden oder für den eigenen Bedarf?
00:18:25: Ja, ich glaube, Speicher werden eine zentrale Rolle bei der Elektrifizierung von Logistikstandorten spielen. Aus zwei Gründen.
00:18:33: Das eine ist die energiewirtschaftliche Optimierung: dass ich meinen selbst produzierten Strom zwischenspeichern kann, wenn die Fahrzeuge tagsüber unterwegs sind, und den Strom abends wieder an die Fahrzeuge abgeben kann.
00:18:43: Aber auch aufgrund von Netzanschlussengpässen, weil der Netzanschluss teilweise gar nicht die maximale Leistung hergibt, die ich brauche, um alle Fahrzeuge gleichzeitig zu laden.
00:18:52: Das ist insbesondere der Fall, wenn ich Zweischichtbetrieb habe und um die Mittagszeit zehn, zwanzig,
00:18:59: bei einem unserer Kunden sechzig Lkw gleichzeitig laden müssen, und zwar mit Peakleistung.
00:19:03: Das gibt der Netzanschluss gar nicht her.
00:19:04: An dem Standort steht ein Speicher mit fünfundvierzig Megawattstunden.
00:19:07: Das heißt, Speicher wird auch eingesetzt, um Leistung bereitzustellen, und kann energiewirtschaftlich genutzt werden, um zum einen die Stromkosten zu optimieren, aber natürlich auch, um die Flexibilität dieses Speichers an den Flexibilitäts- und Regelmärkten zu vermarkten.
00:19:22: Natürlich ist so ein Invest nicht ganz ohne, ein Speicher kostet ja auch etwas.
00:19:26: Aber ich glaube, wenn man das gut durchrechnet, ist es auf jeden Fall ein Schlüssel für einen wirtschaftlich optimierten Betrieb eines Depotstandorts. Und wir sehen das mehr und mehr bei unseren Kunden, und zwar nicht nur im kleinen Stil, sondern wirklich Großspeicher im richtig großen Stil.
00:19:41: Also teilweise mit fünfzig Megawattstunden, ein Kunde jetzt sogar mit über hundert Megawatt-
00:19:45: stunden.
00:19:46: Was kann Depotcharge heute tun,
00:19:49: beziehungsweise was setzt ihr um, damit eine Logistikfirma die Versteigerung der Energie machen kann?
00:19:56: Wir bereiten unsere Systeme so vor, dass sie verschiedenste Preismodelle abbilden können.
00:20:02: Im Kern ist das, was wir machen, eine recht mächtige Preis- und Abrechnungsmaschine plus Zugang.
00:20:07: Aber Preis und Abrechnung sind das Herzstück.
00:20:10: Stand heute sind die Tarife bei unseren Kunden sehr einfach: Preis pro Kilowattstunde.
00:20:16: Das ist einfach für den, der die Standorte anbietet, in der Berechnung, und einfach für den, der diese Standorte nutzt.
00:20:22: Aber natürlich geht die Diskussion schon los, ob man unterschiedliche Time-of-Use-Tarife hat, einen Abend- und einen Morgentarif, wenn die Strombeschaffung an den Day-Ahead-Markt gekoppelt ist, oder ob man dynamisch beschafft, oder ob sich das eigene Erzeugungsprofil der PV-Anlage im Verkaufspreis widerspiegeln soll. Dann sind wir bei dynamischen Stromtarifen, und das wird sicherlich kommen, dass auch der Preis am Standort dynamisch gestaltet wird.
00:20:46: Und noch einen Schritt weiter gedacht, eine sehr spannende Frage, ist das Thema Versteigerung von Kapazitäten und Mengen.
00:20:54: Denn wenn ich auf der einen Seite ein Fahrzeug habe, eine Route von München nach Hamburg, und zwischendrin geladen werden muss, dann habe ich Energiemengen, die dort gebraucht werden. Theoretisch könnte man darüber nachdenken, auf diese Energiemenge zu bieten, als öffentlicher Ladeparkbetreiber, aber auch als halböffentlicher Ladeparkbetreiber.
00:21:17: Und das könnte eine sehr spannende Dynamik mit sich bringen. Denn es geht um enorme Energiemengen, und wer diese Energiemengen dann am Standort laden darf, macht daraus ein Geschäft.
00:21:25: Vielen Dank
00:21:25: für die klaren Einblicke.
00:21:28: Wenn ich das zusammenfasse: Es geht nicht nur um die Ladeinfrastruktur.
00:21:31: Die Steuerung spielt auf jeden Fall eine große Rolle, und wenn man sich von einer Firma wie Depotcharge beraten lässt, kann man auf jeden Fall Depot Charging optimieren .
00:21:43: Damit sind wir am Ende der Episode von MORE Than Powering Today.
00:21:47: Vielen Dank fürs Zuschauen und bis zur nächsten Episode. Vielen Dank, Joscha!
00:21:51: Danke, dass ich hier sein konnte.
00:21:54: Das war MORE Than Powering Today, der B2B-Podcast von Sungrow.
00:21:59: Alle Links, Quellen und weiterführenden Informationen zu dieser Folge findest du in den Shownotes.
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